Denk mit der Hand 2

Das Handbuch „Denk mit der Hand 2“ erscheint im Frühjahr 2018.

2016 erschien das erste Buch „Denk mit der Hand“ zum Thema „Künstlerisch Denken und Handeln“.  Jetzt ist ein Folgebuch in Arbeit, dass sich dem Thema „Zeichnung und Prozess“ widmet. Wieder sind 50 Begriffe rund um das Thema gepaart mit kurzen Texten, praktischen Übungen und Zeichnungen.
Die Entstehung können Sie hier mitverfolgen: in loser Folge werden hier die einzelnen Beiträge erscheinen, bis in ca. 3 Monaten das fertige Buch publiziert wird.
Viel Spaß beim Mitverfolgen.

124 Seiten, erscheint im Frühjahr 2018
Vorbestellen kann man es für 14€ + Versand  hier >>>


Labor

Sieht man das Atelier weniger als einen konkreten Arbeitsplatz und mehr als eine Haltung, dann ist es ein Labor. Die darin ausgeübten Tätigkeiten bewegen sich zwischen explorativem Spiel und gerichtetem Forschen. Forschen ist nichts, was von einer Person getragen wird und sich im stillen Kämmerchen vollzieht. Es wird in Teams praktiziert, in denen jeder seine Aufmerksamkeit auf die gemeinsame Fragestellung richtet. Zu dieser Gerichtetheit gesellt sich beim künstlerischen Forschen der experimentell spielerische Umgang mit dem Sujet. Das Potential vom Spielen mit anderen liegt darin, dass sie die Aufmerksamkeit von der individuellen Absicht auf zwischenmenschliche Beziehungen und auf Dynamiken in einer Gruppe verlagern. Das kann den Zugang zum kollektiven Unbewussten eröffnen. Das Labor zum Spielplatz zu machen heißt, das Spiel unter einem forschenden Interesse sich entwickeln zu lassen. Es ist ein paralleles Üben am Leben, ein Probehandeln in der Fantasie. Es sind `Reallabore´ oder `Living Labs´, die im sozialen Kontext forschen. Sie erlauben, in kleinen, machbaren Schritten vorzugehen und zugleich groß zu denken.

Übung für eine Person:
Zeichne eine beliebige Form. Ziehe einen Strich etwa durch die Mitte der Form. Spiegele die Form an diesem Strich.
(Aus: Beobachten und Formulieren: Grundkurs mit Übungen, nach einem Filmskript von Josef Albers, ZKM, 2009)
Übung für Gruppen:
Beginnt ein `Wörterbuch der noch nicht existierenden Worte´: Jeder erfinde ein Wort und stelle es bildnerisch dar. Versucht in dieser Sprache miteinander zu sprechen.

Lesetipp: Uwe Schneidewind: Urbane Reallabore – ein Blick in die aktuelle Forschungswerkstatt >>>


Flow

Im Flow zu sein ist eine äußerst angenehme Sache, bei der die Dinge wie von alleine entstehen. Statt forciert etwas zu machen, läuft unter meinem Zutun ein Prozess wie selbstständig ab.
Um in den Flow zu kommen kann ich mich auf folgende Aspekte konzentrieren:
1. Der Kontakt zur Sache intensivieren, indem ich aus dem Körper heraus wahrnehme und agiere. Zu viele Gedanken distanzieren mich von der Sache.
2. Die Förderung des Wahrnehmungssinnes, indem ich in meinem Handlungsumfeld für Sinnlichkeit sorge. Eine unfreundliche Umgebung strengt mich an.
3. Dem Gefühl der Anstrengungslosigkeit nachgehen. Verkrampfungen zeigen mir an, wo es für mich nicht fließt.
4. Der spielerische, ergebnisoffene Umgang mit der Aufgabe, der sich orientiert an dem Gefühl der Stimmigkeit. Ziele und Absichten holen mich aus der Präsenz.
Aus dem täglichen absichtslosen Flow entsteht wie von alleine mit der Zeit ein intensives und tiefes Werk.

Übung für eine Person:
Suche Orte, mögliche oder unmögliche, private oder öffentliche, und versuche dort zu schlafen. Zeichne sie anschließend.
Übung für Gruppen:
Macht jeden Tag zur selben Urzeit, jeder für sich, eine Zeichnung von der Tätigkeit, mit der ihr gerade beschäftigt seid. Bringt die Aufzeichnungen nach einem Monat zusammen. Vergleicht, womit sich eure Tage füllen.

Buchtipps: Austin Kleon: Show your work! How to Share Your Creativity with the World, Workman publishing, 2014
Mihaly Csikszentmihalyi: FLOW und Kreativität: Wie Sie Ihre Grenzen überwinden und das Unmögliche schaffen, 2015


 

Resonanz

Resonanz ist ein Phänomen, dass sich sowohl zu Menschen, als auch zu Dingen entwickeln kann. Dabei kommt etwas in mir zum Klingen: ich finde in der Welt Anklang und gehe eine Beziehung mit ihr ein. Es ist nicht der Gleichklang, der mich erreicht und berührt. Zwischen Dissonanz und Konsonanz ist es ein Anderes, das nicht gleich klingt mit mir. Ich bin bewegt und antworte in Gedanken, Beiträgen, `Re-aktionen´ auf das, was mich da erreicht hat. Die Folge ist eine Transformation: ich habe meinen inneren Klang mit dem Klang von außen zu einem Neuem verschmolzen und bin nicht mehr die Gleiche.
Solch ein Resonanzgeschehen passiert mir, es ist nicht verfügbar. Ich kann es weder erzwingen, noch steigern. Ich kann es jedoch einladen mit einer Haltung der Offenheit, des Einlassens auf ergebnisoffene Prozesse, die Raum lassen für den – vielleicht – ertönenden Klang.

Übung für eine Person:
Zeichne deinen Schatten, tanze mit ihm.
Übung für Gruppen:
Denke an einen Begriff, den du interessant findest. Erzähle ihn, im Kreis mit anderen sitzend, deinem rechten Nachbarn. Kombiniere deinen eigenen Begriff mit dem Begriff, den dein linker Nachbar dir beschrieben hat, und mache eine Zeichnung daraus.

Hörtipp: Hartmut Rosa: Resonanz: über die Soziologie des guten Lebens, Vortrag bei der Heinrich-Böll-Stiftung


 

Teilhabe

Teilhabe erfordert, dass Disziplinen und gesellschaftliche Bereiche und damit die Menschen ihre Abgrenzungen fallen lassen und in `offenen Systemen navigieren´. Die von J. Rifkin proklamierte `Zugangsgesellschaft´ lädt ein, in fremden Feldern mitzumischen, in die ich jedoch immer meinen Rucksack mitbringe, den ich in meinem bisherigen Umfeld gepackt habe. Gehe ich z.B. von der Kunst in die Politik – oder umgekehrt – bringe ich einen Denk- und Handlungsansatz mit, der in dem jeweils anderen System noch kaum Anwendung gefunden hat. In diesem Beispiel provoziert es, dass das ästhetisch-künstlerische und das sozial-politische ihre Selbstbezüglichkeit aufgeben und sich zusammentun. Dabei entsteht ein neuer Raum, der in beide Felder zurückwirkt. Die kulturell verhandelten Grenzen weichen auf. Statt um Abgrenzung geht es um Möglichkeiten, die sich erst aus der Koalition ergeben. Das Miteinander ist dabei nichts De-finiertes, kein fixierter Zustand. Es wird im Handeln verhandelt und aktualisiert. Es ist ein ständiger Prozess.

Übung für eine Person:
Füge in eine Zeichnung ein Element ein, das stört. Arbeite die Zeichnung solange um, bis das Element entweder integriert ist, oder seine Andersartigkeit ein interessantes Licht auf sein ganzes Umfeld wirft.
Übung für Gruppen:
Bringt in die Gruppe eine missratene Zeichnung mit, für die ihr keine zielführende Lösung habt. Jeder macht für mindestens drei `Problemfälle´ der anderen einen Optimierungsvorschlag. Setze einen der Vorschläge um.

Buchtipp: Jeremy Rifkin: Access – Das Verschwinden des Eigentums, 2007


 

Geschmack

Der Soziologe Bourdieu schreibt, dass Geschmack durch soziale Verhältnisse bedingt ist. D.h. wir handeln mit anderen Menschen in einem gesetzten Feld aus, was gültig ist. Im Falle der Kunst ist es das künstlerische Feld, dass als Teilbereich der Gesellschaft eigenen Regeln folgt, in dem Akteur_Innen unterschiedliche Positionen einnehmen und Einfluss ausüben. Kunst ist also ein Verhandlungsbegriff. Zu diesem Verhandeln gesellt sich, was ich gelernt habe, schön zu finden. Damit ist Geschmack nichts rein Subjektives sondern immer eine Vereinbarung in einem gewachsenen und situativen Kontext. Mit diesem Wissen um die Herstellbarkeit des Geschmacksbegriffs, stellt er sich in Frage. Geschmack muss für jede neue Situation, jeden veränderten Kontext erneut ausgehandelt werden: mit mir selbst, mit anderen, mit dem Umfeld. Aushandeln ist im Dialog bleiben, im Falle der Kunst, in einem tätigen Dialog.

Übung für eine Person:
Erstelle für einen dir wichtig erscheinenden Handlungsablauf ein Regelwerk. Versuche möglichst viele der Regeln zu brechen.
Übung für Gruppen:
Verteilt farbige Papierblätter untereinander. Jeder stellt aus seinem Blatt etwas Schönes her. Erklärt euch gegenseitig, was daran schön ist.

Buchtipp: Pierre Bourdieu: Die feinen Unterschiede. Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft, 1970


Vorbilder

Wenn die Ansprüche, die ich ich an mich selber habe, zu hoch sind, dann entmutigen sie mich. Das, was ich tun kann, entspricht meist nicht dem, was ich in meinen kühnsten Träumen tun möchte. Um die Sehnsucht nach diesen Träumen, und damit die Energie in ihre Richtung zu stärken, kann ich mich an jenen orientieren, die in mir positive starke Gefühle auslösen, die mich hellwach machen und in die Bereitschaft bringen, etwas mir Neues auszuprobieren.
Um den Dunstkreis meiner Vorbilder auf mich wirken zu lassen, umgebe ich mich mit ihnen. Ich beobachte ihr Tun und setze mich ihrer Energie aus, die auf mich abstrahlt. Unter diesem Einfluss verändert sich mein Tun nach und nach. In meiner eigenen Geschwindigkeit werde ich unmerklich in die Richtung geschwemmt, die mich anzieht. Künstlerische Praktiken und Prozesse sind dabei ein geeignetes Treibmittel, weil sie uns in eine ergebnisoffene Bewegung versetzen. Wir begeben uns in einen oszillierenden Austausch mit der Welt und ihren Phänomen, was unser Verständnis, unsere Sichtweisen und eventuell unseren Kurs verändert.

Übung für eine Person:
Erstelle eine Galerie der Vorbilder: zeichne 7 Tage lang jeden Tag wechselnd im Stil eines deiner Vorbilder.
Übung für Gruppen:
Jeder verfasst eine Biographie seines Lebens, die nur aus Zeichnungen besteht. Stellt gemeinsam aus, lasst Überschneidungen, Begegnungen, gemeinsame Erfahrungen sichtbar werden.


 

 

Freiheit

Freiheit fällt hier aus der Begriffsreihe. Es wollte mir nicht gelingen zumindest einen kleinen Aspekt davon in 1000 Zeichen zu gießen. Zu groß, zu grundlegend, zu unlimitierbar erscheint mir der Begriff. Freiheit ist die Wesensgrundlage künstlerischen Tuns und menschlichen Seins und webt sich damit in all unser Tun, Denken und Handeln. Wenn alle anderen in diesem Buch genannten Aspekte im Sinne der künstlerischen Freiheit gelesen, weitergedacht, umgeformt werden, dann kommt man der Freiheit im Denken und Handeln nahe.
Da der Mensch als Wesen mit Zukunftsbewusstsein zur Verantwortung verpflichtet ist, ist seine Freiheit dadurch begrenzt. Die Verantwortung verlangt von ihm, dass er – bei aller Freiheit – die kurz- und langfristigen Folgen seines Handelns und Denkens antizipiert und verantwortlich anwendet. Freiheit ist somit ein allem immanenter Begriff, der in Symbiose mit Verantwortung steht.

Übung für eine Person:
Unternimm eine Versuchsreihe: füge in jede Zeichnung, die du machst einen Regelverstoß, etwas, dass du für nicht erlaubt hältst.
Übung für Gruppen:
Macht auf einem großen Blatt eine gemeinsame Zeichnung. Jeder lebe sich maximal aus, ohne die Bedürfnisse der anderen aus der Wahrnehmung zu verlieren.

Buchtipp: Harald Welzer: Selbst denken: Eine Anleitung zum Widerstand, Fischer Verlag, 2013


 

Perspektivenwechsel

Im Laufe unserer kulturellen und persönlichen Biografie lernen wir, wie wir die Dinge zu sehen haben. Wenn wir dieses Gelernte als Grundlage unseres Denkens und Handelns nehmen, reproduzieren wir die gesellschaftlichen Verhältnisse. Unbewusstes Denken besteht aus Wiederholungen und vertieft schon gelegte Rinnen im Außen und auch im eigenen Hirn.
Erst wenn wir ein System verlassen und durch fremde Augen von außen darauf schauen, fallen uns Eigentümlichkeiten überhaupt auf. Sich bewusst beim Nachdenken darüber zuschauen, hilft zwischen produktiven und repetitiven Denken zu unterscheiden. Hilfreich um über das Gewohnte, Erlernte hinaus zu denken sind auch Referenzerfahrung außerhalb der gewohnten Muster, in denen ich erlebe wie es „anders” sein kann. Diese Erfahrung im `Andersland´ hilft, an die Energie einer nicht erlernten, nach anderen Regeln agierenden Kraft heranzukommen.
Verwirrung ist ein gutes Indiz, dass wir auf dem Weg dahin sind.

Übung für eine Person:
Mache eine Zeichnung mehrmals unter verschiedenen Gesichtspunkten: linear, flächig, Komposition, Dynamik/Rhythmus, was mich interessiert, Outline, Figur/Grund, etc.
Übung für Gruppen:
Positioniert euch auf Stühlen im Raum. Jeder zeichnet seine Ansicht der im Raum sitzenden Menschen.
Wechselt die Sitzpositionen mehrmals und zeichnet aus jedem neuen Blickwinkel die Situation.
Bringt am Schluss alle Zeichnungen auf einer Wand des Raumes zusammen und betrachtet das entstandene Netz der Perspektiven.


 

Dinge

Viele Dinge zu besitzen macht uns weniger frei. Das könnte daran liegen, dass die Dinge unbeweglich sind und von uns verlangen, dass wir ihren Standort sichern. Wenn ich die Dinge jedoch in Bewegung bringe, sie wieder und wieder bei jedem erneuten darauf Schauen, bei jedem Umgang in ihren Möglichkeiten prüfe, wenn ich sie an andere Orte versetze, in andere Ordnungen bringe, ungewohnte Kontexte, dann können sie mir als permanentes Übungsfeld dienen. Sie können die Differenz sichtbar machen zwischen darüber hinweg schauen und bewusst wahrnehmen. Kraft meiner veränderten Wahrnehmung aktiviere ich mit den Dingen auch mein Denken und damit die Art, wie ich durch mein Handeln meine Umgebung mit konstruiere. Und vielleicht zeigt sich durch diese aktivierende Wahrnehmungsübung auch, dass es nur ganz wenige Dinge dazu braucht.

Übung für eine Person:
Bevor du deinen Koffer für eine Reise packst, mache eine gezeichnete Packliste. Zeichne jeden Gegenstand den du einpackst und widme ihm mindestens 15 Minuten, gerne länger.
Übung für Gruppen:
Jeder bringe einen kuriosen Gegenstand mit. Stellt euch gegenseitig die Gegenstände vor, zeichnet sie und präsentiert ein gesammeltes Kuriositätenkabinett.


 

Komposition

Als Zeichnende eines Blattes bin ich wie eine Regisseurin, die eine Bühne mit einem Geschehen inszeniert. Ich arrangiere die Requisiten auf dem Papier entsprechend dem, was ich ausdrücken will. Erzähle ich zu viel und erkläre zeichnend jedes Detail, wird sich der Zuschauer genervt abwenden, weil ich ihn entmündige und gleichzeitig mit meiner Erklärwut überfordere. Setze ich hingegen nur die notwendigste Anhaltspunkte, die es braucht, um meine Absicht zu verstehen, mehr noch, sie nur zu erahnen, dann kann die Phantasie und damit die Kreativität des Betrachters aktiv werden und die Leerstellen ergänzen. Ich lasse ihn teilhaben am Entstehen des Bildes, das sich erst in seiner Vorstellung vervollständigt. Wir führen beide Regie, jeder mit seinen Mitteln.

Übung für eine Person:
Bastele dir aus einem Stück Pappe einen Guckrahmen. Trage ihn immer bei dir und betrachte so viele Situationen wie möglich durch diesen Rahmen. Zeichne einige aus der Erinnerung.
Übung für Gruppen:
Macht zusammen eine Ausstellung mit Zeichnungen. Stellt sie einzeln gerahmt aus. Bietet zu jeder Zeichnung ein euch passend erscheinendes Musikstück über Kopfhörer an.


Wirklichkeit

Wie wir die Wirklichkeit wahrnehmen ist eng geknüpft an innere Glaubenssätze, die wir uns meist schon sehr früh in der Kindheit zurechtlegen. Sie entstehen aus dem, was uns ängstigt und aus ihnen resultieren Bewältigungsstrategien. Diese legen ein bestimmtes, sinnvoll scheinendes Verhaltensmuster nahe, und helfen uns, mit den unangenehmen Gefühlen umgehen zu können. Immer wenn in einer Situation diese alten Ängste getriggert werden, wiederholen wir endlos die einmal gelernten Strategien. Wir haben in diesem Verhaltensmodus keinen Zugang zu dem autonomen Handlungsspielraum, der uns darüber hinaus zur Verfügung stände. Wenn wir es wagen, den alten Ängsten ins Auge zu sehen, können wir im Innehalten und Betrachten erkennen, dass sie alt sind. Wir können den endlos sich rekonstruierenden `Heimatfilm´ verlassen und als Erwachsene auf die aktuellen `Tagesthemen´ reagieren. Dann stehen uns unendlich viel mehr Handlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Wir handeln aus einem erneuerten Bewusstsein heraus und werden andere Reaktionen ernten. Unsere Wirklichkeit wird sich umgestalten.

Übung für eine Person:
Folge einem Impuls oder Einfall, auch wenn das endgültige Ziel noch nicht klar ist. Lass dir im Arbeitsprozess vom Material Lösungen vorschlagen, greife eine auf und gehe ihr nach, bringe sie in Form.
Übung für Gruppen:
Jeder schreibt 2 für ihn wichtige Begriffe auf je einen Zettel. Die Zettel werden gesammelt. Jeder zieht zwei Begriffe, kombiniert und zeichnet sie.

Buchtipp: „Was ist Schematherapie?: Eine Einführung in Grundlagen, Modell und Anwendung.“ Eckhard Roediger, 2009


 

Kommunikation

Für mich drückt sich eine künstlerische Haltung am sichtbarsten aus in der Art wie wir kommunizieren, also in jedem Zusammensein mit Menschen. Dabei ist es weniger das Sprechen, als vielmehr ein aufmerksames Zuhören, welches unser Miteinander gestaltet. Es ist das Zulassen von unbeantworteten Fragen und das Entstehen von, und Hineinhören in Stille. Diese Stille wird irgendwann ihre gärende Wirkung entfalten, die ein Handeln aus einem Impuls heraus möglich macht. Die Stille ist die Quelle für unser Handeln und in ihr liegt die Haltung begründet, mit der wir etwas (gemeinsam) tun.
Die Kunst macht dabei Vorschläge, die vom Gehabten, Gewohnten, Erprobten abweichen.
Im Modell lassen sich die Dinge spielerisch, ohne Funktionszwang durchspielen, durchdenken, durchlaufen, um irgendwann auf eine Machbarkeit zu stoßen. Gleichzeitig verweist die Kunst in der materiellen Welt auf die geistige Welt, ist wie ein Dünger, der das Denken und Handeln in der materiellen Welt nährt und mit Sinn ausstattet.

Übung für eine Person:
Schweige einen Tag lang. Wenn du etwas sagen oder fragen willst, tue es durch zeichnen.
Übung für Gruppen:
Verbringt gemeinsam einen Tag in Schweigen. Wenn ihr etwas sagen oder fragen wollt, tut es durch zeichnen.


 

Sinne

Das Gehirn trennt die Wahrnehmungen, die es verarbeitet nicht. Ein Klang wird mit einer Ansicht und einem Geruch zu einer Information verschmolzen. Je mehr Sinne an der Wahrnehmung beteiligt wird, desto komplexer ist die Information, die das Hirn daraus ziehen kann, und desto interessanter, erinnerungswürdiger erscheint es uns. In uns bildet sich ein umfassenderes Bild einer Sache ab, die die Oberfläche verlässt und in die Tiefe wirkt.
Beim Zeichnen werden neben den Augen die Haptik und die Motorik angesprochen, womit es einer erweiterten Wahrnehmung zuarbeitet. Setzt man Zeichnen nicht nur als isolierte Disziplin ein, sondern zum Erfassen von ganz verschiedenen Sachverhalten, wird unser Hirn ganz in seinem nicht trennenden Sinne gut mit vielfältigen Informationen versorgen.

Übung für eine Person:
Mache einen Spaziergang. Halte Situationen zeichnerisch fest, die dir als besonders auffallen. Dehne den Spaziergang solange aus, bis du mindestens 10 Zeichnungen hast.
Übung für Gruppen:
Baut gemeinsam ein Fahrzeug zu einem mobilen Zeichenstudio aus. Unternehmt eine längere Reise damit.


 

Kunst

Was Kunst ist und was nicht, ist keine Frage des Mediums oder der handwerklichen Fähigkeiten. Es ist alleine davon abhängig, mit welchem Bewusstsein ich etwas erstelle, ausführe oder betrachte. Um zu verstehen was Kunst ist, muss ich mein Erleben davon in jedem Moment neu aktualisieren. Die Absicht Kunst zu machen reicht jedoch nicht aus. Es ist vielmehr eine Haltung der freiheitlichen Betrachtung, des Umgangs und der Umsetzung, aus der heraus ich mich mit Möglichkeiten befasse. Sollte Kunst dabei abfallen, umso besser.
„Kunst ist nicht Kunst, sondern
– eine Art sich die Welt zu erklären
– eine Art Wirklichkeit zu schaffen
– die Fähigkeiten Utopien zu entwickeln
– ein Training der Freiheit (obwohl es so viele Regeln hat)
– ein wesentlicher Bestandteil menschlicher Tätigkeit“ *

Übung für eine Person:
Identifiziere dich mit einer Farbe und erzähle aus dieser Perspektive wer du bist.
Übung für Gruppen:
Recherchiert, woher das Zeichenspiel Cadavre Exquis kommt und wie es funktioniert. Spielt es im Geiste der Erfinder.

*„Was ist Kunst? Interview mit Prof. Dagmar Demming“ >>>>


 

Projekt

Der Entschluss, ein künstlerisches Projekt durchzuführen ist mehr als ein Plan. Es ist die innerliche Hinwendung zu einer ausgewählten Sache, die verlangt, dass ich ihr meine ganze Aufmerksamkeit schenke, mich ihr widme. In dieser Haltung beginne ich mit ausgewählten Methoden zu sezieren, zu aktivieren, zu bespielen. In dieser ersten Phase rücke ich der Sache auf die Pelle, kreise sie in einer Engführung ein. Bis zu einem Punkt, an dem es dann wieder die Öffnung braucht. Engführung und Öffnung wechseln sich solange ab, bis in mir in Bezug auf die Sache ein Gefühl der Stimmigkeit entstanden ist, das mich zufrieden sein lässt mit dem in diesem dialogischen Wechsel entstandenen Ergebnis. Bis diese Stimmigkeit entsteht, bedarf es mitunter viel Geduld und Ausdauer. Langfristig gesehen ist künstlerische Arbeit ein Langstreckenlauf, der mich selbst am meisten interessieren muss.

Übung für eine Person:
Beginne ein Projekt, das daraus besteht, Projekte zu schmieden. Halte jedes geschmiedete Projekt in einer Zeichnung fest.
Übung für Gruppen:
Fahrt mit der S-Bahn eine Strecke ab. Steigt an jeder Station aus, zeichnet etwas, das euch auffällt, steigt in die nächste S-Bahn ein und fahrt eine Station weiter, steigt dort wieder aus, usw.
Trefft euch an der Endstation und vergleicht eure Beobachtungen.


 

Pausen

Pausen sind Zwischenräume, in denen der Geist temporär von seiner Aufgabe befreit ist. Die Inhalte der vorherigen handlungsgerichteten Absicht können sich absetzen und entspannen. Befreit vom Lösungsdruck entsteht ein ergebnisoffener Raum, in dem der Geist wandern und sich ausdehnen kann. Diese Ausdehnung eröffnet neue Aspekte und Möglichkeiten, die in die darauf folgende Aktivität einfließen. Das macht Pausen so fruchtbar. Auch wenn sie scheinbar unproduktiv sind, sind sie der Dünger, der der Arbeit ihre Haltungsqualität verleiht und sollten daher als unverzichtbarer Teil des Arbeitens kultiviert werden: Kaffeepausen, U-bahnfahrten, Warteräume, Atempausen, Winterpausen, Sendepausen, Gedenkminuten, Feierstunden, Siestas, Pinkelpausen, Spaziergänge, etc.

Übung für eine Person:
Lege beim Zeichnen alle 5 Minuten eine Pause ein. Beobachte, was in den Pausen geschieht. Konstatiere, ob sich etwas am Zeichenprozess verändert.
Übung für Gruppen:
Trefft euch zu einem dreitägigen Zeichenmarathon. Legt jede halbe Stunde eine 10minütige Pause ein, die jeder auf seine Art füllt oder leer lässt.


 

Stille

Nach Claus Otto Scharmer durchläuft man beim kreativen Arbeiten einen Prozess, der vom Wahrnehmen, Aufnehmen, Sammeln, zu einem Punkt des Verarbeitens führt, der sich durch Stille, durch Tatenlosigkeit auszeichnet. An diesem Punkt wissen wir noch nicht, was die Lösung ist. Wir üben, diese Krise des Nichtwissens auszuhalten. Es ist ein Innehalten, ein Lauschen in die Zukunft, das dem `inneren Wissen´ erlaubt aufzusteigen. Wenn wir diese Stille, die unter Umständen lange dauern kann, aushalten, wird es irgendwann umschlagen in ein Wissen, was wir zu tun haben. Dann wird das Verharren sich wandeln in eine Aktivität, die aus dem Moment heraus geschieht, und das Neue kann über die Praxis in die Welt gebracht werden. Der innere stille Ort, aus dem heraus wir agieren, ist die Quelle, die uns speist. Sie ist Grundlage für die Qualität dessen, was wir tun. Nicht was wir tun, sondern mit welcher Haltung wir es tun ist ausschlaggebend.

Übung für eine Person:
Nehme dir einen Gegenstand, zu dem du eine Affinität hast. Sei es Neugier, Ratlosigkeit, analytisches Interesse, die Herausforderung der Darstellbarkeit, das noch nie Gemachte, die Interessantheit des Objektes an sich, etc. Erkunde ihn in schnellen Skizzen, solange bis du dein Interesse daran genauer benennen kannst.
Übung für Gruppen:
Nehmt euch etwas vor, das jeder 100 Stunden lang praktiziert.
Trefft euch wieder, wenn jeder seine 100 Stunden gemacht hat.

Buchtipp: C. Otto Scharmer: Theorie U: Von der Zukunft her führen: Presencing als soziale Technik“, Carl-Auer Verlag GmbH, 2014


 

Handwerk

Zwischen Hand und Gehirn besteht ein Dialog, der sich auch darin ausdrückt, dass die Handfertigkeit mit der Entwicklung des Hirns zunimmt. Mit einem Jahr ist die Hand eines Kindes soweit entwickelt, dass sie zur lebenslangen Erkundung bereit ist. Sie ist mit Erfahrungswissen ausgestattet und kann gerichtet zugreifen. Mit dem Erwerb der Sprache kommt dann noch die Reflexion über das, was die Hand tut und erfährt hinzu. Je feiner man eine Handfertigkeit ausbildet, desto feiner ist auch das `Handwissen´ über eine Sache. Wissen ist hier eine nicht aufs Rationale beschränkte Kategorie, die einen umfassend differenzierten Zugang ermöglicht. Es ist neben dem geistigen auch der praktische und sinnliche Zugang.

Übung für eine Person:
Entwirf ein bisher nicht existierendes Werkzeug, dass dir eine neue Möglichkeit des Zeichnens eröffnet.
Übung für Gruppen:
Trefft euch zum Kochen und Zeichnen. Kocht und zeichnet gleichzeitig die Zutaten, die Arbeitsabläufe, den Esstisch, alles, was mit der Tätigkeit des gemeinsamen Kochens zusammenhängt. Bringt alle Zeichnungen und das Rezept auf einer Wand zusammen. Macht eine Collage, ein Plakat daraus.
Esst anschließend gemeinsam.

Buchtipp: Richard Sennett „Handwerk“, Yale University Press, London, 2008


 

Arbeit

Hannah Arendt trifft in ihrem Buch „Vita activa“ folgende Unterscheidung: „Arbeit“ (griech. ponos) dient der Existenzsicherung. Sie ist unproduktiv, da sie nichts Bleibendes herstellt. „Herstellen“ (griech. poiesis) dagegen erzeugt die dauerhafte, künstliche Welt der Dinge, die zum Gebrauch da sind. „Handeln“ (griech. praxis) als Drittes in der Reihe, ist direkt und ohne Vermittlung und bezieht sich auf die intersubjektiven Beziehungen unter Menschen.
Dem Vita activa setzt sie die Vita contemplativa entgegen, die die Welt des Schauens und Denkens umfasst. Kunstwerke sind nach ihrer Ansicht eine Verdinglichung von Gedanken. Demnach könnte man Kunstwerke als Vermittler zwischen dem handelnden und dem kontemplativen Leben sehen. Schon in dem religiös beheimateten Ethikanspruch „ora et labora“ steckt dieses Zusammenspiel von Tun und Betrachten. Dem scheinbar unbedeutenden „et“ kann man eine wichtige Bedeutung zuschreiben: es ist die Haltung, mit der beides verfolgt wird.
Im künstlerischen Idealfall zeichnet sich diese Haltung durch spielerische Ergebnisoffenheit aus.

Übung für eine Person:
Erstelle ein Werk, dessen Thema die Erstellung ist.
Übung für Gruppen:
Schreibt einen Tag lang auf, was ihr tut. Zeichnet es. Vergleicht am Abend euren Tagesverlauf.

Buchtipp:
Hannah Arendt: Vita activa oder Vom tätigen Leben. Kohlhammer, Stuttgart, 1960


 

Leichtigkeit

Wenn etwas schwer geht und wir uns abkämpfen müssen, dann ist es nicht der richtige Weg. Künstlerisches Tun ist ein Zusammenwirken von leichtgängigem Spiel und stringenter Arbeit an etwas. Aus diesem Zusammenwirken bezieht es seine Kraft. Es gestaltet sich wie ein Fluss: je mehr Wasser zusammenkommt und sich unter günstigen Bedingungen seinen Weg bahnt, desto mehr Kraft hat es. Erfolg ist dabei nie das Ergebnis von Einzelkämpfertum. Dennoch braucht es den Einzelnen, der den Mut hat, die Dinge neu zu sehen, neu zu denken. So wie ein Strom nur dann existiert, wenn Abermillionen von Wassertröpfchen mit ihrem Fließverhalten sich zusammentun, kann ein neuer Weg nur gefunden werden, wenn die Fließkraft eines jeden Einzelnen wertgeschätzt wird.

Übung für eine Person:
Zeichne den Weg einer, mehrerer, vieler Schneeflocken nach.
Übung für Gruppen:
Alle Namen aus der Gruppe werden auf je einen Zettel geschrieben, jeder zieht einen: dieser ist jetzt dein geheimer Freund: tue ihm etwas Gutes.


 

Dekonstruktion

Sich auf die Kunst einzulassen bedeutet, das eigene Weltbild ins Wanken zu bringen. Mit jedem Bild, das ich (mir) mache, mit jeder Form, die ich neu schaffe, befrage ich das, was ist und die Art, wie ich es sehe. Ich stelle damit in Zweifel, ob es so ist, wie es ist, bzw. von anderen erklärt wird. So kann nach und nach mein Bild, welches ich mir von der Welt, von der Erscheinung, dem Wesen und den Zusammenhängen der Dinge konstruiert habe, dekonstruiert werden. Das ist erst mal ein verunsichernder Prozess und es verlangt Mut, sich einzulassen. Es ist aber auch ein gütiger, ein hilfsbereiter Prozess, der es mir ermöglicht anhand meines Tuns über ein Drittes langsame, tastende Schritte in eine neue Wirklichkeit zu gehen. Diese neu in mir entstehende Wirklichkeit ist genauso konstruiert wie die vorherige, es ist nur eine von vielen, weiteren möglichen.

Übung für eine Person:
Mache etwas, was du dir eigentlich nicht traust.
Übung für Gruppen:
Schneide dir aus Papier einen Formatsucher. Suche einen interessanten Ausschnitt im Umfeld, mache eine Miniskizze davon, erkläre den anderen, welche Kriterien daran dich interessieren.


 

Öffnung

Künstlerisches Arbeiten ist ein sich Einlassen auf eine unwägbare Erfahrung, deren Ausgang ungewiss ist. Es bedeutet, den lenkenden Willen hinten an zu stellen und – im Falle des Zeichnens – zum Beobachter des Stiftes zu werden, auf dessen Spuren ich reagiere. Nicht ich lenke, sondern der Stift führt in unserem Dialog. Alle anderen gedanklichen Steuerungsversuche treten dabei in den Hintergrund. Mein Tun ist ergebnisoffen. Ich kenne das Ziel nicht, aber ich weiß, dass ich da sein will. Der Stift zeigt mir, was möglich ist, ich entscheide lediglich, ob ich seinen Vorschlägen folge. So führt er mich in Gefilde, die mein Geist nicht antizipieren kann. Mein Geist kann das, was über ihn hinausgeht, gar nicht denken. Akzeptiert man das, so besteht die Möglichkeit sich für weiterreichende Bezüge zu öffnen, die das vordergründige Geschehen in einen größeren Zusammenhang einbetten. Unterstützen kann ich das nur, indem ich möglichst oft Gelegenheiten schaffe, dass es passieren könnte.

Übung für eine Person:
Zeichne etwas in einer Art, wie du es noch nie gemacht hast.
Übung für Gruppen:
Bringe in eine Gruppe eine Wahrnehmung mit, die über das Übliche hinausgeht. Teile sie auf eine überraschende Art.


 

Manifest

Ein Manifest ist eine Auflistung von handlungsleitenden Regeln, die sich aus individuellen oder gesellschaftlichen Erfahrungen ableiten. Um dabei nicht alten Glaubenssätzen nachzuhängen, ist es wichtig, in jedem Moment aus einem autonomen Erwachsenenbewusstsein heraus alle zur Verfügung stehenden Handlungsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen.
Im schlechten Fall besteht ein Manifest aus einmal festgeschriebenen Gesetzen, die das Handeln reglementieren und beschränken. Im guten Fall bietet es Orientierung, um das Handeln immer wieder an der Erfahrung und den Möglichkeiten neu zu justieren. Im besten Fall ist ein Manifest so geschrieben, dass es zu einer ständigen Aktualisierung der Überzeugungen einlädt. Dabei wird das Handeln selbst zur Neubefragung von Definiertem und Festgeschriebenen. Dieses permanente Explorieren von Möglichkeiten ist die grundlegende Haltung, die kreatives Denken und Handeln möglich macht.

Übung für eine Person:
Mache ein Jahr lang jeden Tag eine Zeichnung und leite aus deinem Tun täglich eine Regel ab. Reduziere die Regeln nach einem Jahr auf die 10 wichtigsten. Beginne dann von Neuem.
Übung für Gruppen:
Erstellt gemeinsam ein Manifest, welches das Zeichnen interessant und lehrreich macht. Formuliert es zeichnerisch.


 

Grundeinkommen

Das bedingungslose Grundeinkommen hat zur Folge, dass man, wenn man morgens aufsteht, sich die Frage stellen darf, nein muss: warum stehe ich heute morgen auf? Die Herausforderung daran ist dann, dass ich herausfinden muss, was wirklich meine Herausforderung ist. Das ist viel essentieller, als einer Tagesstruktur zu folgen, die dem Geldverdienen geschuldet ist.
Der Austausch über die Idee des Grundeinkommens ist ein reif werden dafür. Es ist Bewusstwerdungsprozess, der substantiell Menschliches thematisiert. Die Bedingungslosigkeit dabei bewirkt erst die Freiheit, sich die wirklich grundlegenden Sinnfragen nicht nur zu stellen, sondern sie bedingungslos weiterzuverfolgen. Das ist auch die große, vielleicht beängstigende Herausforderung für jeden einzelnen, der sich mit der Idee beschäftigt: Zu welchen Antworten werde ich kommen, wenn ich diese Gedanken kompromisslos zulasse? Die wichtigste Frage für uns als Gesellschaft ist: trauen wir uns den Umgang mit dem bedingungslosen Grundeinkommen gegenseitig zu?

Übung für eine Person:
Entferne jeden Tag einen ausgedienten Begriff aus deinem Wortschatz. Streiche Begriffe, die nicht mehr stimmen, die neu gefüllt werden müssen: Kunst, Arbeit, Beziehung, Autorenschaft, etc.
Übung für Gruppen:
Zeichnet euch gegenseitig Orden, die euch für etwas auszeichnen.

Buchtipp: „Grundeinkommen von A bis Z“, von Enno Schmidt,‎ Daniel Straub,‎ Christian Müller, Limmat Verlag, 2016  hier anschauen >>>


 

Sprache

Ein Sprachrepertoire hört nie auf, sich zu verändern. Es entstehen neue Worte im Umfeld, alte sterben aus oder sind übernutzt, andere Worte tauchen auf, die sich passgenauer, treffender oder auch ästhetischer anfühlen. Das Bedürfnis, nicht immer dasselbe zu sagen schickt einen auch auf die Suche nach neuen Gedanken und Formulierungen. So ist mit dem Sprachschatz auch immer das Denken in Umformung begriffen.
Wenn man Zeichnen als Sprache versteht, versucht der Zeichner mit seinen bestmöglichen Worten die aussagekräftigste Form zu treffen. Die Art, wie er es sagt, ist sein Stil, der sich durch seinen Willen um Treffgenauigkeit von alleine entwickelt.„Sowie Sprechen mit Denken zu tun hat, hat Zeichnen mit Sehen zu tun.“ (Josef Albers) Daraus folgt, dass Sehen die mit dem Zeichnen verbundene notwendige Übung ist: präzises Sehen, vorurteilsfreies Sehen, ausgiebiges Sehen, unzensiertes Sehen.

Übung für eine Person:
Sprich einen Gedanken aus, den du heute gedacht hast. Versuche die Worte zu zeichnen, oder einen Gegenstand, der dazu passt.
Übung für Gruppen:
Stelle eine Zeichnung aus. Lasse über Kopfhörer verschiedene Beschreibungen dieser Zeichnung vorlesen, die alle in bestimmten Punkten von der gezeigten Zeichnung abweichen.


 

Erfahrungsmut

Vertrauen ist uns in die Wiege gelegt, um uns dann Stück für Stück genommen zu werden. Im künstlerischen Tun können wir Situationen durchleben, in denen wir Schritte wagen, die wir im realen Leben nicht wagen. Wir können erfahren, wie es ist, risikobereit und vertrauensvoll einen Schritt zu tun, dessen Erfolg nicht garantiert ist. Wir erleben auch, wie wir mit Scheitern umgehen: dass Scheitern kein Endpunkt ist, sondern die Ausgangsbasis für den nächsten Versuch. Jeder Versuch ist anfangs mit einem kleinen, unbehaglichen Taumeln ins Leere verbunden, weil es ungewohnte, riskante Schritte fordert. Je öfter ich einen neuen Versuch mache, desto mehr wird aus dem Taumeln eine Suchbewegung, bei der die Neugier größer ist, als die Furcht vor dem Ungewissen. Diese Erfahrung schreibt sich in unseren Körper ein (`Embodiment´)* und steht uns auch in Bereichen außerhalb der Kunst zur Verfügung. Mit diesem `Erfahrungsmut´ gerüstet können wir alte Definitionshüllen peu à peu abstreifen und neue Handlungsspielräume erobern.

Übung für eine Person:
Sprenge deine Stilmittel. Suche ganz bewusst die Herausforderung einer Art zu Zeichnen, eines Experiments, das du noch nie gemacht hast.
Übung für Gruppen:
Ein Raum ist gefüllt mit Stühlen. Die eine Person geht blind im Raum herum. Die anderen räumen ihr den Weg frei. Einer macht eine Wegskizze.


 

Alltag

Der Fluxuskünstler Allan Kaprow hat in den 1960er Jahren das „Happening“ in die Kunst eingeführt. Happenings sind collageartige Aufführungen, bei denen die Grenzen zwischen den Kunstormen, zwischen Akteuren und Publikum, zwischen Kunst und Alltag verschwimmen. Es ging dabei nicht darum die Kunst aufzuheben, sondern die Aufmerksamkeit auszuweiten auf alle Aktivitäten des Alltags. Wenn alltägliche Abläufe derart inszeniert und unter Beobachtung ausgeführt werden, erfahren sie eine Veränderung, bei der feinste Differenzen sichtbar werden.
Auch Zeichnen ist beobachten. Der Stift konstatiert die Beobachtung indem er sie in Linien übersetzt. Er agiert nach eigenen Regeln und tanzt über das Papier. Man könnte sagen, er vollzieht eine Art Happening auf dem Papier.

Übung für eine Person:
Zeichne Abläufe: eine Mahlzeit kochen, Socken stopfen, Nachhause gehen, ein Bild zeichnen, etc.
Übung für Gruppen:
Wählt als Gruppe einen Monat lang – oder länger – täglich ein Foto aus der Tagespresse aus und zeichnet es ab. Vergleicht nach Ablauf der Zeit die entstandenen Sammlungen.

Buchtipp: Allan Kaprow, „Performing Life“, s.179ff, in „Essay on the Blurring of Art an Life“, University of California Press, London, 1993


 

Inspiration

Eine Inspiration ist ein Hinweis, der von außen auf mich trifft und nur dann etwa bewirkt, wenn ich da und bereit bin. Wie ein Stein, der in mein gedankliches Gewässer fällt, zieht die Inspiration ihre Kreise und versetzt andere Felder meines Unterbewusstseins in Schwingung. Diese in Bewegung gebrachten Felder können das nächste Epizentrum sein, von dem eine Idee ausgeht. Die Bewegung lebt davon, dass ich immer offener werde und immer mehr gedankliche Kreisbewegungen ineinanderfließen lasse. Einmal angestoßen verstärkt sich die Bewegung gegenseitig. Die Bewegungsbereitschaft erhöhe ich, indem ich den Stift – als Kanal für meine Ideen – so über das Papier führe, dass er sich frei bewegen kann, ohne durch Erwartungen begrenzt zu werden.

Übung für eine Person:
Zeichne wie jemand anders, dessen Art zu zeichnen du gut findest. Verlasse dein Vorbild irgendwann und zeichne weiter, ohne an ein bestimmtes Ziel zu denken.
Übung für Gruppen:
Übersetzt Situationen, die ihr im Alltag erlebt, gedanklich in eine Filmsequenz. Erzählt sie euch wie einen Filmausschnitt und zeichnet sie dann auf ein Blatt.


 

Übung

Eine Übung unterscheidet sich von einer Methode darin, dass sie etwas noch nicht Erprobtes wiederholt. Sie kann ergebnisoffen spielerisch sein, sie darf sich im Unkonkreten bewegen, sie muss nicht gerichtet und auswertbar sein. Genau in dieser Offenheit liegt ihr erfinderischer Vorteil gegenüber der Methode. Die Übung sollte nicht nur im Kopf stattfinden, denn der Kopf knotet gern. Aber Knoten machen führt bei ihm zu nichts, es ist nicht seine Domäne. Die Hand knotet auch gerne. Dabei macht sie die tätige Erfahrung des Knotens, durchläuft also einen Prozess, der das Knoten machen nicht nur an sein Endprodukt, den Knoten, bindet, sondern an die Erfahrung, wie es ist einen Knoten zu machen. Diese Erfahrung ist der eigentliche Mehrwert des Knoten machen. Das Vertrauen darin, den Knoten auch wieder zu lösen, wächst mit jedem neuen Versuch. Vertrauen ist eine wichtige Voraussetzung um sich auf wiederholendes Üben einzulassen.

Übung für eine Person:
Stelle oder zeige eine Regel auf. Gestalte etwas, das dieser Regel folgt. Brich die Regel dann wieder.
Übung für Gruppen:
Macht einen gemeinsamen Tagesausflug. Zeichnet im Bus, im Zug, im Auto, im Gehen.


 

Atelier

Das Atelier ist der Arbeitsplatz eines Kreativen, sein Forschungslabor. Alles im Atelier ist zum Zwecke der kreativen Arbeit optimiert. Es sollte so eingerichtet sein, dass ich jeden Moment anfangen kann, dass es mich einlädt und ich mich gerne an den Tisch setze.
Neben diesem konkreten Raum ist das Atelier aber auch eine Metapher für eine Freiraum, der überall sein kann, je nachdem, was dem kreativen Schaffen zuträglich ist. So kann das Atelier in der Öffentlichkeit sein, wie für Simone de Beauvoir, die in Cafés schrieb, um sich `existent zu machen´. Es kann zwischen den Menschen sein, wie Beuys es aus der Idee der `Sozialen Plastik´ heraus gesehen hat. Es kann aber auch ein Freiraum des Geistes sein, den ich in mir habe und überall hin mitnehme und ausbreiten oder anwenden kann. Es kann aber auch ein zeitlicher Rahmen sein, wie z.B. die `Die goldene Stunde´, womit ich die beste Zeit am Tag bezeichne, die ich für die Kunst reserviere. Das Atelier hat vielfältige subjektive Formen und Zustände und es gilt, die zu mir passenden herauszufinden.

Übung für eine Person:
Gehe durch verschiedene Räume. Verweile an Orten die dich anziehen. Mache Skizzen und Notizen. Trage die Beute an deinen Arbeitsplatz. Sichte. Ordne. Vertiefe.
Übung für Gruppen:
Macht gemeinsam einen Zwischenraum sichtbar.


 

Idee

Kunst ist die Idee von etwas. Der Kunstschaffende macht sich diese Idee selbst. Er erfindet sie und kann das Erfinden können trainieren, wie man einen Muskel trainiert. Sich eine Idee von etwas zu machen geschieht aus dem Zusammenspiel der Beobachtung von Phänomenen und dem Nachdenken über das Beobachtete. Kunst ist also nicht das Produkt, sondern das Ergebnis eines Prozesses. Dieser Prozess ist nur ein Teilausschnitt aus dem größeren Prozess des Lebens, in dem ein Mensch versucht, sich die Welt in ihren Phänomenen und Ideen zu erklären. Dieser Prozess hört ein Leben lang nicht auf, so wie auch die Verfertigung von Kunst als allgemeines Kulturgut erst dann abgeschlossen ist, wenn es keinen mehr gibt, der sich an ihr versucht. Als Versuch der Welterklärung begleitet die Kunst den Kunstschaffenden das ganze Leben lang und findet einen Abschluss erst im Ableben.

Übung für eine Person:
Zeichne einen einfachen Gegenstand. Erfinde zeichnend mindestens 5 Umdeutungen dafür, die dem Gegenstand eine neue Funktion, Zusammenhang, Lesbarkeit verleihen.
Übung für Gruppen:
Nehmt einen Stapel von beliebigen Zeichnungen. Ordnet sie einer Geschichte so zu, dass sie wie Illustrationen wirken.


 

Haltung

Handlungsziele brauchen Haltungsziele als Untermauerung.
Künstlerisch tätig zu sein ist weniger eine Formfähigkeit als eine Haltungsfrage. Deswegen operieren viele Lehrende und Lernende an einem nicht zielführenden, weil zu sehr auf Technikfragen ausgelegtem Weg. Die Verschiebung von der handwerklichen Fähigkeit zur Haltung bedeutet, das Ausbildungen sofort auf einem sehr hohen Niveau ansetzen können, ohne sich mit dem Einüben von klassischen Techniken der Kunst abmühen zu müssen. Die Kunst verlangt eine sehr autonome Art, zu denken und zu handeln. Dafür adäquate Formen zu finden ist das Üben an der Kunst, was mit derselben Intensität verfolgt werden muss, wie es bei früheren Ausbildungsansätzen für das Erlernen von Techniken gefordert wurde. Um aus Zufallstreffern ein konsistentes Werk zu machen, braucht es lebenslanges Üben. Üben ist zugleich praktizieren und bei allem Experimentiergeist immer Ernstfall.

Übung für eine Person:
Wähle eine der Zeichnungen, mache einen zeichnerischen Eingriff, den du sonst nie machen würdest.
Übung für Gruppen:
Zeichnet eine Geschichte in mehreren Bildern auf Demonstrationsschildern. Macht damit einen Spaziergang durch die Stadt.


 

Goldene Stunde

Die beste Zeit am Tag ist für die Kunst reserviert. Ich nenne das die goldene Stunde. Bei mir ist es früh morgens, wenn das Denken noch nicht durch die zu erledigenden Dinge perforiert ist. Bei jemand anderem ist es spät nachts, wenn die betriebsame Welt sich zur Ruhe begeben hat. In jedem Fall ist es eine bewusste Zeitreservierung, die als fester Termin auf meinem Stundenplan steht. Künstlerisches Tun ist nicht nur Lust, sondern auch Disziplin. Oft fällt es schwer, in diesen anderen Denk- und Handlungsmodus zu schalten. Regelmäßiges Üben und die wiederholte Erfahrung, dass das Umschalten geht, macht es erleichtert. Alles was mir dabei hilft, ist willkommen. Um herauszufinden, was mir hilft, muss ich beobachten, wann ich unter welchen Umständen wie agieren kann. So finde ich heraus, wann meine persönliche Goldene Stunde ist.

Übung für eine Person:
Halte einen Tag lang alle 30 Minuten inne und zeichne, wo du dich gerade befindest.
Übung für Gruppen:
Bleibe einen Tag lang im Bett. Versuche so lange wie möglich zu schlafen und zu träumen. Erzähle deinen Kollegen, was du erlebt hast.


 

Fehler

Wenn wir immer nur das machen, was wir können und bei dem wir sicher sind keine Fehler zu machen, werden wir nichts Neues entdecken. Gerade aber kreative Prozesse leben davon, dass nicht vorhersehbare Dinge geschehen und dass diese Dinge als dazugehöriger Schritt in den Prozess einbezogen werden. Es geht also nicht darum Fehler zu vermeiden, sondern sie bewusster zu machen, sie nicht als Sackgassen abzuqualifizieren, sondern sie als Ausgangsbasis für darauf folgende erneute Erprobungen zu nehmen. Fehler sind integraler Bestandteil des kreativen Prozesses. Wenn es einer Änderung bedarf, die nicht machbar ist, dann ändere die Haltung, mit der du an eine Sache herangehst. Generell gilt: Umwege vergrößern die Ortskenntnis.

Übung für eine Person:
Mache – ohne Plan – 20 Zeichnungen in 20 Minuten.
Übung für Gruppen:
Sammlung: zählt alles auf, was fehlerhaft ist. Zeichnet es. Macht eine Ausstellung damit. Sprecht Einladungen aus, eure Sammlung des Fehlerhaften zu betrachten. Jeder der von einem produktiven Fehler berichten kann, bekommt eine Zeichnung. An der Leerstelle wird stattdessen der `Fehlerbericht´ gezeigt.


 

Entschleunigung

Der große Vorteil davon, künstlerisch tätig zu werden ist, dass es das Denken verlangsamt. Der Dialog zwischen mir und dem Material, den meine Hände führen, braucht Zeit, die die Formbarkeit des Materials verlangt. Irgendwann, nach einiger Zeit, kann wie in einem Gespräch eine Stimmigkeit der Dialogpartner entstehen. Mein Kopf kann nicht alleine vorauseilen, er ist an das Formulieren der Hände gebunden. Sie ziehen ihm die Energie ab,die er sonst allein beansprucht und entfalten ihre eigene, intelligente Position. Es entsteht in der Verlangsamung eine Art intellektuelle Dürresituation, deren Mangel an Gedanken wiederum meine Phantasie stimuliert. So birgt die geistige `Lange-Weile´ ein Höchstmaß an Kreativität, die die Dürre bewässert.
Übung für eine Person:
Mache eine Stunde lang nichts. Gar nichts.
Übung für Gruppen:
Macht zusammen einen Spaziergang. Zeichnet anschließend jeder für sich alles, an das ihr euch erinnert.


 

Chaos

Künstlerisches Tun ist ein „Navigieren in offenen Systemen“*. Im Gegensatz zur Bewegung in geschlossenen Systemen verlangt es, dass Regelwerke im tätigen Werken überprüft und im laufenden Prozess durch immer neue ersetzt werden. Das sich Bewegen in offenen Systemen ist eine dem Künstler eigene Geisteshaltung, die geprägt ist von einem ständigen Aufräumen von `De-Finitionen´ und Vereinbarungen. Es beruht auf einer feinen Wahrnehmung, einem visionären Denken und einer leidenschaftlichen Risikofreudigkeit. Solch ein Vorgehen führt aus der Ordnung vorerst in das Chaos, bevor es in einer schärferen Sicht auf die Dinge mündet. Jedoch nur, um sich von dort aus wieder weiterzubewegen in neues unbekanntes Terrain. Der künstlerische Geist ist ständig in Bewegung. Dabei gibt es kein richtiges oder falsches Ergebnis. Es gibt immer nur eine vorläufige Lösung, die auf dem Gefühl der inneren Stimmigkeit beruht.
(* s.a. Ursula Bertram/Werner Preissing, „Navigieren im offenen System“, container-verlag, 2006)

Übung für eine Person:
Leere den Inhalt deiner Tasche aus. Erstelle mit den Gegenständen verschiedene Kompositionen, die dir gelungen erscheinen:
die Dinge so komprimiert wie möglich,
die Dinge nach einem versteckten Prinzip geordnet,
die Dinge nach einem funktionalen Prinzip geordnet,
die Dinge nach Werten geordnet.
Mache von jeder Komposition eine schnelle Skizze.
Übung für Gruppen:
Kombiniert die Inhalte euer Taschen nach den oben genannten Prinzipien.
Macht von den verschiedenen Zuständen Skizzen, die ihr anschließend vergleicht.


 

Berührbarkeit

Die Kunst birgt die Möglichkeit aus ihr eine Suchbewegung zu machen. Mit und durch sie kann ich ergründen, was es bedeutet als Mensch in der Welt zu sein. Um dieses Potential auszuschöpfen, muss sich die Kunst konsequent auf das Leben beziehen. Beschäftigt sich die Kunst zu sehr mit sich selber und mit der Auslotung ihrer systemeigenen, oft formalen Gesetzmäßigkeiten, berührt sie den Menschen nicht.
Berührung bewirkt in der Regel eine Öffnung hin zu dem, was da berührt. Indem ich mich öffne setze ich mich in Beziehung zu diesem resonanten Geschehen und werde Teil davon. Das ermöglicht mir eine Haltung der teilnehmenden Beobachtung, die einen nicht emotional verursachten Berührungsraum kreiert. Die Phänomene der Welt werden zur Quelle des Erlebens.

Übung für eine Person:
Zeichne die wichtigsten Momente deines Lebens.
Übung für Gruppen:
Beschreibt euch gegenseitig ein Bild das nicht da ist. Zeichnet es.


 

Austausch

In meiner Studienzeit gab es einen Studenten, der stellte sich mit einem kleinen Tisch morgens auf die Straße. Auf dem Tisch lagen allerlei Habseligkeiten von Wertvollem bis Banalem. Alles stammte aus seinem Besitz und alles bot er den Passanten zum Tausch an. Am Ende des Tages hatte sich seine Auslage grundlegend verändert. Nun lagen da Papierfetzen, ein paar Münzen, eine leere Zigarettenschachtel und andere Dinge, die allesamt wertlos erschienen. Er aber wirkte sehr zufrieden. Er hatte einen Tag voller Gespräche und Begegnungen gehabt. Er hatte diskutiert, gescherzt, gefragt, geantwortet. Er hatte sich ausgetauscht. Die Gegenstände auf seinem Tisch waren nur der Anlass, um mit Menschen ins Gespräch zu kommen.
Neulich las ich über einen anderen Menschen, der sich vorgenommen hatte, mit einer Büroklammer beginnend solange zu tauschen, bis er ein Haus im Tausch bekommen sollte. Er schaffte es. Ich versuche mir die verschiedenen Begegnungen der beiden Händler vorzustellen, und überlege, mit wem ich lieber tauschen würde.

Übung für eine Person:
Zeichne das, was ein anderer dir erzählt, während er spricht.
Übung für Gruppen:
Speed dating: porträtiert euch gegenseitig auf Klebezetteln in einer Minute, ohne auf das Gezeichnete zu gucken. Wechselt zum nächsten, solange, bis ihr jeder Person in der Gruppe einmal begegnet seid.